Wie lautet dein voller Name?

Schwester Lea o’Hura Magistra Super’i’or

Seit der Gründung unseres eigenen Hauses heiße ich: Schwester Lea o’Hura Magistra Super’i’or . Mit dem Namen drückt ja jedes Ordensmitglied seine Persönlichkeit aus – was in meinem Namen alles an Persönlichkeitsmerkmalen steckt, kann man mich gerne fragen… ich rede ja gerne *g*. Zu Zeiten des O.S.P.I. Berlin war ich als Schwester Lea da’Maris Skiurula Adversa Diaboli unterwegs.

Wann ist dein Geburtstag?

Ich bin am 28. November 2006 Mitglied im Berliner Erzmutterhaus geworden und daher ist dieser Tag auch mein Geburtstag, auch wenn bei jeder Nonne immer unklar ist, was genau unter „Geburtstag“ verstanden wird: der Eintritt, der Tag als man den Ruf gehört hat, die Beförderung zur Schwester oder die Weihe…

Wo wohnst du?

In einer meiner Lieblingsstädte in Deutschland: im gemütlichen, kleinstädtischen und hübschen Oldenburg in Niedersachsen.

Welche Interessen hast du?

Als Schwester? Das findest du schon heraus, wenn wir uns das erste Mal treffen… Kurze Röcke und pink-gelbes Make-up gehören aber sicher dazu…

Wer ist/war deine Mentorin/dein Mentor?

Schwester Lea o’Hura Magistra Super’i’or O.S.P.I.

Das ist für mich eine schwierige Frage, da das Mentorensystem (eine ausgebildete Nonne, die dir in der Ausbildung besonders zur Seite steht) erst kurz vor dem Ende meiner Ausbildung eingeführt wurde. Meine erste Wahl wäre damals Schwester Holla die Waldfee gewesen, die aber aufgrund des Vorstandspostens nicht meine Mentorin sein konnte. Dann habe ich also Schwester Esmeralda gewählt, weil ich mich mit ihr immer gut verstanden habe - die konnte sich dann aber nicht so um mich kümmern, wie ich es mir gewünscht hätte, aber sie ist meine offizielle Mentorin.

Dennoch würde ich sagen, dass die Schwestern, die sich am meisten um meine Ausbildung bemüht haben, meine wahren Mentorinnen sind: Schwester Sunshine und Schwester Gloria – danke nochmal an euch, ihr seid wunderbar.

Wann hast du dich berufen gefühlt, dem Orden beizutreten?

Schwester Lea o’Hura Magistra Super’i’or O.S.P.I.

Im Sommer 2006 habe ich für den CSD-Verein in Oldenburg (LuST e.V.) zusammen mit einer befreundeten Lesbe aus Braunschweig die Dokumentation für den lokalen Fernsehsender des Christopher-Street-Days Nordwest moderiert. Im Rahmen dieser Dokumentation führte ich ein Interview mit Schwester Rosa. Da ich die Schwestern bis dahin immer nur als „merkwürdigen Fetischverein“ wahrgenommen und verstanden habe, haben wir ein sehr ausführliches und interessantes Interview gehabt und mich hat die Idee der Schwestern sofort gepackt und fasziniert. Seit diesem Gespräch habe ich mich ein halbes Jahr lang intensiv mit dem Gedanken befasst, ob ich das auch möchte – das Ergebnis war schnell gefasst: JA, auf jeden Fall!

Und so habe ich mich dann nach vielen weiteren Gesprächen, Informationen und Treffen mit und über die Schwestern entschlossen, einen Aufnahmeantrag zu stellen, der dann auch am 28. November 2006 angenommen wurde. Bis heute bereue ich diesen Schritt nicht und bin immer wieder begeistert und bewegt von unserer Idee und Arbeit.

Warum bist du bei den Schwestern der Perpetuellen Indulgenz?

Ich habe sonst keine Hobbies *lach* - Nein, im Ernst… Es ist schön, etwas Gutes und Sinnvolles zu tun. Unsere Arbeit besteht ja aus deutlich mehr als nur aus Buntanmalen und merkwürdige Kleidung zu tragen (obwohl ich diese Art von Straßentheater liebe). Mein Beitrag, gegen die Krankheit AIDS zu kämpfen, sehe ich als eines meiner wichtigsten Ziele – nicht zuletzt, weil ich immer wieder erschrocken bin, wie leichtfertig und unwissend man mit dieser Krankheit nicht nur in der Szene umgeht.

Die Kombination von Outfit, Auftreten und sozialem Engagement sind also der Grund, warum ich mir Strumpfhosen anziehe und Titten auf den Kopf schnalle…

Welche Ziele im Leben hast du?

Als Schwester ist mein oberstes Ziel den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern – und natürlich: Weltfrieden ^^

Woran glaubst du?

An Liebe, Hoffnung, Gerechtigkeit, Ironie und dass Make-up viele Probleme löst!

Was war dein schönstes Erlebnis im Orden?

Schwester Lea o’Hura Magistra Super’i’or O.S.P.I.

Da muss ich nachdenken… Es gibt viele schöne Erlebnisse, die ich als Schwester hatte. Da fallen mir tolle Manifestationen ein; Menschen, denen ich begegnen durfte; tolle Gespräche; bestimmte, ganz besondere  Schwestern… Aber die zwei schönsten Erlebnisse sind sicher:

  1. Dass ich meinen jetzigen Ehemann als Schwester kennengelernt habe und wir, obwohl er mich drei Tage lang nur im Habit gesehen hat, uns ineinander verliebt haben.
  2. Die Weihe meiner Tochter Euphoria – ein großartiges Gefühl sie zur Weihe zu führen!

Euch beiden ein besonders dickes Dankeschön für die vielen wundervollen Momente!

Was war dein schlimmstes Erlebnis im Orden?

Auch da sind zwei wirklich schlimme Erlebnisse zu nennen, die mich tief getroffen und erschüttern haben:

  1. Ich wurde im Frühjahr 2010 von einer Person, die der deutschen Sprache nur sehr schlecht mächtig ist, als Rassistin beschimpft, einfach nur, weil sie meine Worte nicht verstehen konnte. Diese Beleidigung an sich, war sicherlich gar nicht das Schlimmste an der Sache, sondern der Umstand, dass vermeintliche Freunde aus Angst vor eigenen Degradierungen nichts gesagt haben und diese Person sich bis heute im Recht glaubt.
  2. Im Sommer 2010 fand das Jubiläum des Ordenshauses in Paris statt. Zum Abschluss der Feierlichkeiten waren wir in einem Lokal zum Essen eingeladen. Dort hat mir jemand, nachdem er mich und alle Missionarinnen des Ordens zutiefst beschimpft und beleidigt hat, als letzte Verdeutlichung seines Abscheus ein Pizzamesser in die Hüfte gestochen. Ich wurde zwar nicht körperlich verletzt, aber schlimm ist diese Sache dennoch gewesen.

Was möchtest du der Welt noch mitteilen?

Schwester Lea o’Hura Magistra Super’i’or O.S.P.I.

Das Leben ist schön, genießt es in vollen Zügen! Ich tu das ja auch, trinken wir auf mein Wohl, denn ich bin Schwester Lea und mir gehört das hier alles. :-)

Fühlt euch geknutscht
eure Lea