Ordensgeschichte

Die Wurzeln der Schwestern der Perpetuellen Indulgenz reichen bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts zurück. Am Ostersamstag 1979 traten in San Francisco die ersten „Sisters“ in Erscheinung. Diese Gruppe schwuler Männer hatte sich bis ins Jahr 1981 einen Namen in der schwulen Gemeinschaft in San Francisco erarbeitet. Sie veranstalteten ungewöhnliche Aktionen und waren politisch aktiv, indem sie an Protestmärschen und Demonstrationen teilnahmen.

1982 begann sich AIDS in San Francisco massiv auszubreiten. So beschlossen die Sisters of Perpetual Indulgence unter Leitung der ausgebildeten Krankenpfleger Sr. Florence Nightmare und Sr. Roz Erection die „Play Fair“ herauszugeben. Die weltweit erste Safer-Sex-Broschüre, die sexuell-positive Sprache benutzt, praktische Ratschläge zur Prävention von sexuell übertragbaren Krankheiten und Safer-Sex-Praktiken gibt und humorvoll ist, ohne dabei den „moralischen Zeigefinger“ zu erheben. AIDS-Arbeit begann sich als ein Schwerpunkt der Schwestern der Perpetuellen Indulgenz herauszukristallisieren. Gleichfalls waren sie mit die ersten, die ein Benefiz zugunsten der damals noch neuen, unbekannten Krankheit AIDS veranstaltet haben, damals unter der Schirmherrschaft der Schauspielerin Shirley McLaine.

Aus den ursprünglich „schwulen Männern im Nonnenfummel“ entwickelte sich im Laufe der Jahre das heutige Aussehen der Schwestern. Das wohl augenfälligste gemeinsame Merkmal ist das weiß grundierte und bunt geschminkte Gesicht. Bis auf einige regionale Ausnahmen sind alle Ordensschwestern daran sofort zu erkennen. Das weiß grundierte Gesicht symbolisiert den Tod, welchem aber durch die jeweils individuellen und farbigen Akzente das Leben und die Freude entgegen gesetzt wird.

Seit 1981 breitete sich die Idee der Sisters of Perpetual Indulgence weltweit aus. Neben dem Internationalen Mutterhaus in San Francisco gibt es heute in den USA beispielsweise Häuser in Los Angeles, Russian River, Chicago, Baton Rouge, Philadelphia und Seattle. Das erste Ordenshaus außerhalb der USA wurde in Sydney gegründet. Von hier aus folgten weitere Häuser in sämtlichen großen Städten Australiens, in Neuseeland, Thailand und Indonesien.

Auch in Europa entstanden seit 1991 Ordenshäuser, so in Frankreich, England, Schottland, Deutschland, Österreich und der Schweiz. Inzwischen gibt es sogar Ordenshäuser in Kolumbien, Chile und Uruguay, was besonders bemerkenswert ist, denn dort öffentlich als homosexuell aufzutreten ist immer noch äußerst gefährlich.

Zurzeit gibt es weltweit mehr als 1500 Schwestern, die sich dem Kampf gegen die Krankheit AIDS – und natürlich auch allen anderen sexuell übertragbaren Krankheiten – verschrieben haben. Im Laufe der Jahre wurden durch die internationale Schwesternschaft weltweit mehrere Millionen US-Dollar für HIV- und AIDS-Projekte gesammelt, es wurden Tonnen von Informationsbroschüren und eine noch größere Menge an Kondomen und anderen Safer-Sex-Utensilien an den Mann bzw. die Frau gebracht.

Und wie das bei Geschichte so ist: sie hört niemals auf, sondern lebt stetig weiter…